Rezension: Keidel. FamFG

Der Standardkommentar für die im Familienrecht und in der freiwilligen Gerichtsbarkeit tätigen Juristinnen und Juristen ist im Vergleich zur Vorauflage noch umfangreicher geworden. Die vertiefte Bearbeitung ist zum einen sicherlich darauf zurückzuführen, dass das Erbscheinsverfahren (§§ 2353 ff. BGB) – sachlich zutreffend – mit Gesetz vom 29.5.‌2015 (BGBl. I 2015, 1042) in das FamFG überführt worden ist; zum anderen fordert die europäische Rechtsetzung ihren Tribut.

Keidel
FamFG
2017, XLIII, 3326 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-69782-1,
Preis 149,00 € inkl. MwSt.

Hervorzuheben ist, dass insbesondere Fragen der internationale Zuständigkeit, soweit nicht der Anwendungsbereich der Brüssel IIa-Verordnung eröffnet ist, mit großer Sorgfalt erörtert werden. Hilfreich für den Praktiker ist, dass Vorschriften vollstän3576dig zitiert werden, wie zum Beispiel das Übereinkommen über die Zuständigkeit, das anzuwendende Recht, die Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenarbeit auf dem Gebiet der elterlichen Verantwortung und der Maßnahmen zum Schutz von Kindern (kurz: KSÜ) und das Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung (HKÜ).

Im § 105 FamFG setzt sich das Bestreben, dem (Rechts-)Anwender die Relevanz europäischer Normgebung näher zu bringen fort, in dem der Leser für die Problematik des letzten gewöhnlichen Aufenthalts des Erblassers und der daraus folgenden Konsequenzen mit Blick auf das Inkrafttreten der ErbR-VO sensibilisiert wird.

Die 19. Auflage des Kommentars ist trotz ihres Umfangs weiterhin übersichtlich gestaltet, in dem es bei einem handlichen Format bleibt, auf Abkürzungen verzichtet wird und Querverweise die Lösungwege erleichtern. Erfreulich ist, dass der Kommentar seinem Aufbau treu bleibt, dh alles, was „vor die Klammer gehört“, auch dort abgehandelt wird. Beispielhaft zu erwähnen ist die Kommentierung zu § 30 FamFG, die die Änderungen der §§ 404 ff. ZPO (Gesetz zur Änderung des Sachverständigenrechts und zur weiteren Änderung des FamFG pp. vom 11.10.‌2016 – BGBl. I 2016, 2222) einschließlich einer möglichen Ablehnung des/der Sachverständigen dort erörtert.

Die Rechtsmittelverfahren sind anschaulich und gut nachvollziehbar aufbereitet. Der Überblick zu den Rechtbehelfsverfahren im Allgemeinen ist für die Praxis hilfreich, auch vor dem Hintergrund, dass Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit – teilweise – dem Rechtspfleger übertragen sind (§ 14 RpflG).

Gesetzliche Neuregelungen sind im Besonderen Teil bereits eingearbeitet – so ua die ebenfalls mit Gesetz vom 11.10.‌2016 eingeführte Beschleunigungsrüge (§§ 155 b ff. FamFG).

In Betreuungs- und Nachlasssachen (Buch 3 und 4) verschafft die Kommentierung einen gut fundierten Überblick, der für eine am Verfahren orientierte Bearbeitung nahezu unerlässlich ist. Die Formulierungshilfen zu Beschlussentwürfen (§§ 352 e, 353 – dort mit Hinweis auf das Höferecht) sind zweckmäßig ebenso wie der Anhang zum Internationalen Erbrechtsverfahrensgesetz. Nicht unerwähnt bleiben dürfen schließlich die lehrreichen Ausführungen zur funktionalen Zuständigkeit in Buch 5 (§ 377).

Der Kommentar ist – zusammengefasst – auch in seiner aktuellen Fassung unentbehrlich.

Die Rezension wurde der NJW – Neue Juristische Wochenschrift 2017, Heft 49, entnommen.

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NJW • Neue Juristische Wochenschrift
2018, C.H.BECK, ISSN 0341-1915,
Preis 139,00 € inkl. MwSt.

Autorin: Brigitte Meyer-Wehage

Direktorin des AG Brigitte Meyer-Wehage, Brake