5 Dinge, die wohl fast jeder Jurastudent erlebt hat

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„Hätte ich das nur vorher gewusst“. Das ist einer der häufigsten Gedanken, den ich im Verlauf meines Jurastudiums hatte. Zu Beginn des Jurastudiums war mir zwar bewusst, dass die Studiendauer acht Semester betragen würde, aber wirkliche Gedanken über das, was auf mich zukommen würde, habe ich mir nicht gemacht. Ob das ein Fluch oder Segen war, weiß ich noch nicht. Um euch vor diesem Gedanken zu bewahren, möchte ich heute mit euch fünf Erfahrungen teilen, die ich während des Jurastudiums gemacht habe und die euch bewusst sein sollten.

1. Studiendauer

Überall habe ich gelesen: „Die Regelstudienzeit beträgt acht Semester“. Das klingt jetzt erst mal gar nicht so lang. „Ein Jahr mehr als alle anderen, was macht das schon“, dachte ich mir. Ein Irrglaube, wie sich herausstellte. Es ist nahezu unmöglich, wirklich in acht Semestern das Studium zu beenden. Das liegt vor allem daran, dass einem vorher nirgendwo gesagt wird, wie lange sich die gesamte Examensphase zieht.

Hat man die Zwischenprüfung und den Schwerpunkt erfolgreich hinter sich gebracht und sich zum Freischuss gemeldet, hat man bis Mitte des neunten Semesters Zeit das Examen zu schreiben. Bis zur mündlichen Prüfung vergehen dann nochmal fünf Monate. Bis man die gesamte Examensprozedur dann hinter sich hat, ist man im zehnten Semester. Je nachdem, ob man dann nochmal verbessern möchte oder sich direkt zum Referendariat meldet, vergeht noch mehr Zeit.

Und so kommt es, dass ich studiere und studiere und die meisten Freunde bereits einen Bachelor oder ihre Ausbildung abgeschlossen haben, heiraten, Kinder bekommen – und ich selbst frage mich oft: Wohin führt das hier eigentlich? Ich investiere so viel Zeit, verdiene nichts und habe das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Dennoch sollte man sich selbst nicht entmutigen lassen und sich daran erinnern, wofür man das tut. Ganz am Ende habt ihr etwas geleistet, auf das ihr unheimlich stolz sein könnt und das treibt mich immer wieder an.

2. Sozialleben eines Jurastudenten

Wegen des enormen Zeitaufwandes leidet leider auch das Sozialleben. Dass Jurastudenten immer nur in der Bibliothek sitzen und Bücher lesen, stimmt so aber nicht. Während der ersten Semester kann man das Studienleben durchaus etwas ausleben. Die ein oder andere Juraparty solltet ihr einfach erlebt haben. Ich hatte sogar immer das Glück, freitags keine Uni zu haben. Dadurch konnte ich ohne am nächsten Morgen totmüde in der Vorlesung zu sitzen, die Studentenpartys am Donnerstag besuchen.

Doch zur Wahrheit gehört auch: Spätestens während der Examensvorbereitung ist dieser Luxus vorbei. Plötzlich zählt jede Minute, um den Stoff aus den Repetitorien irgendwie nachzuarbeiten, Übungsklausuren zu schreiben und zu wiederholen. Ich fühlte mich während des Repetitoriums chronisch überfordert und versuchte irgendwie die Stoffmenge in den Griff zu bekommen. Und mit der Zeit fangen Freunde und Familie an, einen für völlig irre zu halten. Die Aussage, dass man Samstagabend nicht mit raus will, weil man lernen muss, stößt bei den meisten doch auf wenig Verständnis. Je nachdem, wie gut die eigenen Eltern einen sponsern, muss man dann das letzte bisschen Freizeit eventuell noch für einen Nebenjob opfern. Um euch ein bisschen zu beruhigen: Das ist zum Glück eine Phase, die nur die Examensvorbereitung und die Zeit während des Examens betrifft.

3. Geld

Reiche Eltern sind im Jurastudium wirklich von Vorteil. Zum einen, um sich ein dem Klischee entsprechendes Juraoutfit zuzulegen zum anderen, damit man die zahlreichen Bücher, die Gesetzesabos und später das kommerzielle Repetitorium nicht auch noch aus seinem spärlichen Einkommen bestreiten muss.

Das Kleidungsproblem besteht an meiner Uni jedoch nie. Das mag vielleicht daran liegen, dass Bochum mitten im Herzen des Ruhrgebiets liegt 😉 . Natürlich gibt es die ein oder andere Kommilitonin, die ihren Schönfelder in einer Louis-Vuitton-Tasche transportiert, Kommilitonen, die im Anzug und mit einer Rolex am Arm zur Vorlesung kommen und im Sommer kann man auch ein paar Segelschuhe sichten. Aber auch ohne die Ausgaben für ein klischeehaftes Jurastudentenoutfit ist das Jurastudium nicht das günstigste. Gesetze müssen immer auf dem neusten Stand sein, sodass man entweder ein Abo für den Schönfelder, Sartorius und in NRW den Hippel-Rehborn braucht oder sich jedes Jahr eine neue dtv-Ausgabe für jedes Rechtsgebiet zulegen muss.

In den Vorlesungen werden einem zahlreiche Bücher empfohlen und am Ende kommen noch die Kosten für die kommerziellen Repetitorien und Crashkurse hinzu. Auch der enorme Verbrauch an Collegeblöcken und Stiften ist nicht zu verachten. Gibt es Sparpotenzial? Man kann die Bücher in den Präsenzbibliotheken lesen oder kopieren (die Bücher zum Ausleihen sind meistens schneller weg, als man gucken kann) und für Examensvorbereitungen kann man auch die universitären Repetitorien besuchen.

4. Belastung im Jurastudium

Ohne hohe Belastbarkeit und Schmerzgrenze seid ihr im Jurastudium falsch! Die ersten Semester sind vom Stressfaktor durchaus noch mit vielen anderen Studiengängen vergleichbar. Während des Semesters denkt man sich jede Woche aufs Neue „Nächste Woche fange ich wirklich an zu lernen!“ und plötzlich stehen die Klausuren vor der Tür und man verfällt in Panik. Danach hat man allerdings genug Zeit, um seine posttraumatische Belastungsstörung während der Semesterferien auszukurieren, um das Ganze im nächsten Semester von vorne zu beginnen.

Die Belastung nimmt jedoch enorm zu, wenn man die universitären Klausuren hinter sich hat und sich der Examensvorbereitung widmet. Im Repetitorium stellt man fest, dass man – obwohl man alle Vorlesungen an der Uni besucht hat – es immer noch unendlich viele Dinge gibt, von denen man vorher noch nie gehört hat. Man zweifelt an sich selber und fragt sich, was man die letzen Jahre eigentlich so gemacht hat. Jedes Mal, wenn ein Kommilitone eine Frage beantworten kann, dessen Antwort man nicht wusste, bekommt man innerlich eine kleine Panikattacke.

Die eigene Laune wird auch stetig schlechter. Jeder hat sicher schon einmal vor lauter Verzweiflung alle Karteikarten durch den Raum geworfen, um sie dann mühsam wieder aufzusammeln und neu zu sortieren. Unerlässlich ist es in dieser Phase, sich ein eigenes Ventil zu schaffen. Ich persönlich bevorzuge es mich hinzusetzen und loszuheulen. So verrückt das klingen mag, ich muss gestehen, dass ich mich danach erleichtert fühle. Für diejenigen von euch, die nicht so nah am Wasser gebaut sind wie ich, kann ich einen Ausgleich durch Sport empfehlen.

So negativ die Erfahrung manchmal auch sein mag, sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Examensvorbereitung. Denn um am Tag X nicht völlig die Nerven zu verlieren und die Klausuren dadurch völlig zu versieben, sollte man vorher gelernt haben, mit der eigenen Nervosität und dem Stress umgehen zu können.

5. Positives

Trotz der teilweise überspitzt formulierten Aspekte, solltet ihr euch nicht abschrecken oder entmutigen lassen. Ich glaube, dass es für mich gut war, nicht alles direkt am Anfang gewusst zu haben. Ist man einmal in der Situation, stellt man sich ihr auch und wächst daran. Im Jurastudium lernt man nicht nur Fachliches, sondern auch viel über sich Selbst und das Leben. Mein Papa sagt immer: „Das, was du jetzt durchmachst, ist nicht vergleichbar mit dem, was später im Berufsleben auf dich zukommen wird.“ Da ist wohl auch etwas dran. Auch im Berufsleben muss man selbstständig arbeiten, mit Druck umgehen können und auch mal Durchhaltevermögen beweisen.

In kaum einem anderen Studium lernt man so viel, wie im Jurastudium. Das ist am Anfang oft schwer und man kommt an seine Grenzen. Man wächst aber auch an den stetigen Herausforderungen. Und hat man es einmal geschafft, ist man mit unheimlichem Stolz erfüllt. Fragt man Kommilitonen, die das Examen und das Studium hinter sich haben, sagen die meisten im Rückblick, dass es alles halb so wild war.

Im Jurastudium gilt der Grundsatz „Pain is temporary, law degree is forever“.

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Autorin: Marie Dalter

Marie Dalter

Marie Dalter ist seit Juni 2017 Werkstudentin bei C.H.BECK. Sie studiert Rechtswissenschaften an der Ruhr-Universität in Bochum und ihre Studienschwerpunkte liegen im Europa- und Völkerrecht.