Rezension: Haußleiter. FamFG

Nach etwa sechs Jahren legen Herausgeber und Autoren eine Neuauflage ihres schönen Kurzkommentars zum FamFG vor: Der kompakte Band wird unverändert von einem renommierten Münchener Familienrechtsfachanwalt herausgegeben und von insgesamt fünf Autoren bearbeitet, neben dem Herausgeber zwei Wissenschaftler, einem Notar und – mit der zweiten Auflage neu in den Autorenkreis eingetreten – einer Richterin/Referentin im Bundesjustizministerium.

Haußleiter
FamFG
2017, XLI, 1451 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-66568-4,
Preis 89,00 € inkl. MwSt.

Der Band bietet eine Kommentierung des gesamten FamFG, allerdings ohne eine Erläuterung des Übergangsrechts nach Art. 111 FamFG-RG. Zusätzlich findet sich im Band in einem etwa 140 Seiten starken, ausgesprochen gelungenem Anhang zu § 110 FamFG eine solide Kommentierung der Brüssel IIa-VO, des Lugano-Übereinkommens, des HKÜ und – mit der Neuauflage hinzugekommen – auch der neuen EU-Unterhalts-VO sowie der Rom III-VO: Für den Praktiker stellt das eine willkommene Ergänzung dar, weil er auf diese Weise relativ einfach und bequem Zugriff auf im forensischen Alltag wichtige Regelungen erlangt, ohne auf Spezialkommentare zurückgreifen zu müssen. Die internationalen Instrumente werden dabei nicht Vorschrift für Vorschrift kommentiert, sondern im Überblick; es werden insbesondere diejenigen Bestimmungen zusammenfassend erläutert, die einen besonderen Bezug zum fG-Verfahren haben, wie etwa der jeweilige Anwendungsbereich der Regelung, die internationale Zuständigkeit und die Bestimmungen zur Anerkennung und Vollstreckung.

Schön wäre es, wenn dieser – für den Praktiker sehr hilfreiche – Abschnitt  vielleicht noch durch einige Hinweise auf bestehende Informationsquellen oder Hilfsmittel wie etwa das Europäische Justizielle Netz oder das Verbindungsrichterwesen ergänzt werden könnte.

Mit dem Werk lässt sich gut arbeiten: Die einzelnen Erläuterungen sind gut lesbar und übersichtlich gestaltet. Rechtsprechungs- und Literaturnachweise sind, wie bei den Kommentaren der „Gelben Reihe“ üblich, in den Fließtext eingearbeitet. Hierbei fällt auf, dass die Autoren hauptsächlich auf andere, zumeist größere Standardwerke als Belegstellen verweisen. Die für den Praktiker wichtige Rechtsprechung wird leider eher knapp angeführt; bisweilen auch nur mit einer Fundstelle in der „Beck-Rechtssammlung“, die in anderen, gängigen Datenbanken – da in den Zitaten auf eine Nennung von Entscheidungsdatum und -aktenzeichen verzichtet wird – kaum auffindbar sind. Schade ist auch, dass die insbesondere im Familienrecht wichtige Aufsatzliteratur weniger berücksichtigt wird.

An der einen oder anderen Stelle wäre es vielleicht wünschenswert, wenn die Kommentierung im Interesse einer noch größeren praktischen Nutzbarkeit weiter geschärft würde: Denkbar wäre das etwa bei der Erläuterung des § 49 FamFG und des Anordnungsanspruchs sowie des dringenden Regelungsbedürfnisses (§ 49 Rn. 7, 8); hier könnte nach den einzelnen Verfahrenstypen bzw. -gegenständen (Sorge-, Umgangssache etc) differenziert werden. Ähnliches wäre auch im Rahmen des § 57 FamFG denkbar; die Abgrenzung, ob beispielsweise die elterliche Zustimmung zu einer Urlaubsreise des Kindes eine (beschwerdefähige) Sorgesache oder eine (nicht rechtsmittelfähige) Umgangssache darstellt, ist in der Praxis durchaus streitträchtig.

Alles in allem: Der handliche, kompakte Band überzeugt auch in der Neuauflage; er bietet einen guten Einstieg in die Materie mit hohem Nutzwert.

Die Rezension wurde der NJW – Neue Juristische Wochenschrift 2017, Heft 46, entnommen.

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NJW • Neue Juristische Wochenschrift
2018, C.H.BECK, ISSN 0341-1915,
Preis 139,00 € inkl. MwSt.

Autor: Dr. Martin Menne

Richter am KG Dr. Martin Menne, Berlin