Rezension: Bognanni. Middelhoff – Abstieg eines Starmanagers

Krisenmanagement

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Nahezu zeitgleich mit der Autobiographie „A115 – der Sturz“ ist das Buch Middelhoff. Abstieg eines Star-Managers des Handelsblatt-Redakteurs Massimo Bognanni bei Campus erschienen. Da Thomas Middelhoff für das Buchprojekt nicht für Interviews zur Verfügung stand, wertete Bognanni mit großer Akribie Hintergrundberichte aus, sprach mit Weggefährten und machte sich während des Gerichtsprozesses ein eigenes Bild vom einstigen Topmanager.

Höhen und Tiefen

Bognanni nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen des Middelhoffschen (Berufs-)Lebens. Er greift den Rhythmus auf und spiegelt das Tempo wieder, in dem Big T. von Gespräch zu Gespräch, Deal zu Deal hetzte. Dabei bleibt er stets objektiver, unabhängiger Wirtschaftsjournalist und hält sich mit Urteilen angenehm zurück. Deutlich wird auf jeden Fall eines: langweilig war es mit Middelhoff nie.

Bereits mit 45 Jahren hatte er es an die Spitze des Bertelsmann-Konzerns geschafft und dabei Großes erreicht: Durch die von Middelhoff eingefädelte Übernahme des US-Verlages Random House 1998 wurde der Konzern im Buchgeschäft die Nummer eins der Welt. Mit dem Kauf der Mehrheit an der Sendergruppe RTL sicherte er dem Unternehmen eine der rentabelsten Privatfernsehfirmen und beim Verkauf von AOL-Anteilen spülte er Milliarden in die Kassen des Gütersloher Medienkonzerns. 2002 verließ er das Unternehmen – und kam so einem Rauswurf zuvor. Unüberbrückbar waren die Differenzen zwischen ihm und dem Unternehmenspatriarchen Reinhard Mohn.

Für die Beteiligungsgesellschaft Investcorp suchte er sodann als Londoner „Heuschrecke“ Anlageobjekte für Scheichs und gehörte zu den bestbezahlten Managern Europas. 2004 folgte er dem Ruf der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, den angeschlagenen Handelskonzern KarstadtQuelle zu retten. Zunächst sah es ganz danach aus, als würde ihm auch dies gelingen. Doch die Finanzkrise 2008 gab dem Handelsriesen den Rest und Middelhoff musste gehen. Kurz darauf meldete Arcandor Insolvenz an. Und dem alteingesessene Bankhaus Sal. Oppenheim, das den letzten Kredit vor der Insolvenz gegeben hatte, blieb die eigene nur durch die Übernahme durch die Deutsche Bank erspart.

Hollywoodreif

Aber nicht nur das Arbeitspensum (16 Stunden und mehr am Tag), das sich Middelhoff aufbürdete, erscheint für den Durchschnittsleser unfassbar, auch die Geldbeträge, die er verdiente bzw. mit denen er jonglierte, klingen hollywoodreif. Sein Ausscheiden bei Bertelsmann wurde ihm mit 40 Millionen Euro versüßt, bei Investcorp sollte er bis 2005 13 Millionen Euro verdienen. Bognanni listet Einnahmen im Jahr 2011 in Höhe von fast 9,5 Millionen Euro („Ein Sümmchen, das kein Normalo in seinem ganzen Leben verdient.“) auf, denen Ausgaben in Höhe von fast 11,5 Millionen Euro gegenüberstanden, u.a. 1,3 Millionen Euro für den Unterhalt der Villa Aldea in St. Tropez.

Tiefer Fall

Ins Gefängnis gebracht haben Thomas Middelhoff ein 180 000 Euro teures privates Geschenk an seinen Ziehvater aus Bertelsmann-Zeiten Mark Wössner, das er als Gabe eines nahezu insolventen Konzerns mit Tausenden von Kündigung bedrohten Angestellten ausgab, sowie seine Privatflüge, die er ebenfalls von seinem Arbeitgeber zahlen ließ. Während der zahlreichen Verhandlungstage vor Gericht wurde aber auch deutlich, wie viele Geschäftsfreunde und Weggefährten Middelhoff mit seiner großspurigen Art verprellt hatte. So stand er am Ende vor dem nichts.

Fazit

Das Buch ist tempo- und faktenreich geschrieben und absolut lesenswert. Es gewährt einen tiefen Einblick in die Herausforderungen der heutigen Wirtschaft mit ihrer Gier nach Erfolgsgeschichten und steigenden Aktienkursen.

Bognanni
Middelhoff
2017, 288 S., Campus, ISBN 978-3-593-50752-1,
Preis 24,95 € inkl. MwSt.