Rezension: Büte. Zugewinnausgleich bei Ehescheidung

Wer sich entscheidet, den Zugewinn nicht erst nach Rechtskraft der Ehescheidung rechtshängig zu machen, sondern in den Verbund einzubeziehen (§ 137 FamFG), hat Vorteile unter anderem in Form insgesamt niedrigerer Kosten wegen der Kumulation der Streitwerte. Nachteilig ist dagegen regelmäßig die Verzögerung des Verfahrens aufgrund stark divergierender Wertvorstellungen der Beteiligten und prozessualer Probleme.

Büte
Zugewinnausgleich bei Ehescheidung
2017, XXX, 469 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-70996-8,
Preis 65,00 € inkl. MwSt.

Hier bietet das eingeführte, in 5. (völlig neu bearbeiteter) Auflage erschienene Werk eine gute Hilfestellung. In 35 Kapiteln werden alle relevanten Fragen angesprochen. Es ist hilfreich, dass zunächst grundsätzliche Ausführungen zur Bewertung von Vermögensgegenständen gemacht werden (Kap. 5), bevor einzelne Vermögensgegenstände – alphabetisch gegliedert – angesprochen werden (Kap. 6). Die wichtige Frage der Verjährung (Kap. 10) wird ebenso abgehandelt wie Probleme im Zusammenhang mit Auskunft (Kap. 11), Stundung (Kap. 14) und vorzeitigem Zugewinnausgleich (Kap. 16). Auch unbenannte Zuwendungen (Kap. 26) und Probleme bei Auseinandersetzungen mit Schwiegereltern/Schwiegerkindern (Kap. 28) werden dargestellt.

Die äußere Form ist ansprechend. Fettdruck wird nur sparsam verwendet, Zitate sind in einen Fußnoten-Apparat ausgelagert. Dort könnte sich vielleicht Kursivdruck für die Namen der Autoren anbieten zwecks optischer Unterscheidung von gerichtlichen Zitaten. Gut gelungen ist die optische Hervorhebung von Beispielen (grau schattiert) und Praxishinweisen (Kasten). Im Textanhang (ab 405) finden sich unter anderem Hinweise und Richtlinien zur Bewertung von Steuerberaterpraxen, Anwaltskanzleien, Arztpraxen, landwirtschaftlichen Betrieben und Grundstücken. Allerdings ist – je nach Alter dieser Unterlagen – Vorsicht geboten; so wird zum Beispiel in den (aus 2009 stammenden) Richtlinien für die Bewertung einer Anwaltspraxis ein (kalkulatorischer oder konkreter) Unternehmerlohn nicht abgezogen (435), während das nach BGH eindeutig notwendig ist (Rn. 189). Aufgrund ihrer Bedeutung sollte die latente Steuerlast im Rahmen der grundsätzlichen Ausführungen vielleicht etwas mehr hervorgehoben werden (Rn. 62 aE); im Stichwortverzeichnis findet man den Begriff nämlich nur bei Lebensversicherungen, Wertpapieren und vermögenswirksamen Leistungen. Sehr hilfreich ist die Darstellung der praxisrelevanten Thematik der illoyalen Vermögensminderungen (Rn. 47 ff.) einschließlich der dortigen Grundsätze zur Darlegungs- und Beweislast (Rn. 55 ff.).

Mein Fazit: Das Werk von Büte ist ein ausgezeichnetes Hilfsmittel bei der Bearbeitung von güterrechtlichen Auseinandersetzungen. Wer es nicht nutzt, macht sich das Leben unnötig schwer.

Die Rezension wurde der NJW – Neue Juristische Wochenschrift 2017, Heft 38, entnommen.

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NJW • Neue Juristische Wochenschrift
2017, C.H.BECK, ISSN 0341-1915,
Preis 135,00 € inkl. MwSt.

Autor: Professor Dr. Winfried Born

Rechtsanwalt Professor Dr. Winfried Born, Dortmund