Rezension: Stüer. Bauen im Außenbereich

Grundsätzlich ist das Bauen im Außenbereich verboten – nichtsdestotrotz ist eine Vielzahl baulicher Nutzungen einzig im Außenbereich erlaubt oder erwünscht. Dabei nimmt das Interesse an der weiteren Nutzung des Außenbereichs stetig zu. Faktoren hierfür sind eine sich verändernde Landwirtschaft, steigender Siedlungsdruck, gewerbliche und standortgebundene Vorhaben und nicht zuletzt die Energiewende mit Wind-, Solarenergie- sowie Biogasanlagen. Daneben stehen die Belange von Natur- und Umweltschutz. Insofern dürfte die Neuerscheinung „Bauen im Außenbereich“ vielen gelegen kommen – ein Handbuch, welches sich intensiv mit dem Planungs- und Naturschutzrecht bei Außenbereichsvorhaben auseinandersetzt.

Stüer / Stüer
Bauen im Außenbereich
2017, XX, 400 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-70617-2,
Preis 89,00 € inkl. MwSt.

Planungsrechtlich gewährleistet vornehmlich die Zentralnorm des § 35 BauGB, die Vielzahl der sich teils widersprechenden Nutzungsinteressen im Außenbereich miteinander in Einklang zu bringen. Folgerichtig widmet sich ein Großteil des Buchs dieser Vorschrift. Das Planungsrecht umfasst rund 340 der insgesamt 400 Seiten. Das Werk (C.H.BECK) stellt systematisch § 35 BauGB vor. Besonders intensiv werden hierbei die detailliert dargestellten privilegierten Außenbereichsvorhaben des § 35 I BauGB besprochen. Des Weiteren werden vor allem planungsbedürftige Außenbereichsvorhaben, nicht privilegierte Außenbereichsvorhaben, die Beeinträchtigung öffentlicher Belange, teilprivilegierte Außenbereichsvorhaben, das Rücksichtnahmegebot, Außenbereichsatzungen und – im Hinblick auf die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften – § 246 BauGB (kurz) umrissen. Hierbei werden neben der abstrakt generellen Regelung und der zu den einzelnen Tatbestandsmerkmalen entwickelten Rechtsprechung zahlreiche Einzelfälle vorgestellt. Den Abschluss des planungsrechtlichen Teils bildet eine umfassende Sammlung der wesentlichen Gerichtsentscheidungen zu § 35 BauGB. Ergänzt wird der planungsrechtliche Schwerpunkt um eine Betrachtung der einschlägigen naturschutzrechtlichen Vorschriften des 1106BNatSchG. Dieser Teil widmet sich den naturschutzrechtlichen Eingriffsregelungen (§§ 14 ff. BNatSchG), Vorschiften zu Natura-2000-Gebieten (§§ 32 bis 34 BNatSchG) sowie Artenschutzregelungen (§§ 44 f. BNatSchG) als wichtigsten naturschutzrechtlichen Regelungen, die beim Bauen im Außenbereich zu beachten sind. Auch der naturschutzrechtliche Teil schließt mit einem Überblick über grundsätzliche Gerichtsentscheidungen. Abgerundet wird das Werk durch den Abdruck der besprochenen Vorschriften und ein übersichtliches und umfangreiches Stichwortverzeichnis, welches es insbesondere dem juristischen Laien noch leichter machen dürfte, auf die für ihn relevanten Problemlagen beim Bauen im Außenbereich zu stoßen. Besonders gefällt auch der Abdruck zahlreicher Abbildungen wie Originalbauleitpläne oder Satzungsauszüge. Dies hat einen doppelten Vorteil: Zum einen werden Juristen die oftmals schwierigen Planungsunterlagen nähergebracht, zum anderen finden Planer und Ingenieure über die ihnen vertrauten Zeichnungen besseren Zugang zur juristischen Fachsprache.

Im Ergebnis ist so ein umfassendes, gut verständliches Praxishandbuch zum Bauen im Außenbereich entstanden. Die zahlreichen Verweise auf weiterführende Literatur und Gerichtsentscheidungen sowie die Abbildungen ermöglichen der Leserschaft eine vertiefte Befassung mit der Materie. Das Werk empfiehlt sich daher nicht nur für Planer, Architekten und Behörden, sondern es bereitet auch Juristen, die sich erstmalig mit einem Außenbereichsvorhaben beschäftigen, den Einstieg in das Fachgebiet.

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Die Rezension wurde der NVwZ – Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht 2017, Heft 15, entnommen.

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NVwZ • Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht
2017, C.H.BECK, ISSN 0721-880X,
Preis 159,00 € inkl. MwSt.

Autor: Laurenz Schleicher

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Aktuelle bzw. zuletzt ausgeübte Tätigkeit: 

Rechtsanwalt, Berlin

 

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