Diagnose Krebs: Es ist wichtig, sich aktiv zu informieren und auch mit Fragen zu Kosten und Leistungen auseinanderzusetzen

Jedes Jahr erkranken rund eine halbe Millionen Menschen an Krebs. Damit ist die Diagnose Krebs eine der am häufigsten gestellten Diagnosen. Aufgrund der medizinischen Fortschritte der letzten Jahre haben sich die Überlebenschancen jedoch deutlich verbessert.

In den meisten Fällen erfolgt nach der Diagnosestellung bzw. dem Einholen einer Zweitmeinung eine anstrengende und kräftezehrende Behandlung mit Operation, Strahlen- und/oder Chemotherapie zur Bekämpfung des Krebses. Bevor es aber soweit ist, sollte der Krebspatient ein besonderes Augenmerk auf die Auswahl des Krankenhauses richten, in dem er sich operieren lassen möchte. Dabei spielt die Zertifizierung des Krankenhauses auf die konkrete Krebsart und die Häufigkeit der in diesem Krankenhaus ausgeführten Operationen eine besondere Rolle.

Der Patient wird heute als selbstverantwortlich verstanden und hat ein Mitspracherecht und somit die Möglichkeit, seinen Behandlungsverlauf aktiv mitzugestalten. So sollte er sich vor Behandlungsbeginn frühzeitig über mögliche Behandlungsmethoden informieren, Fragen an behandelnde Ärzte vorher schriftlich notiert und die ärztlichen Standardfragen nach eingenommenen Medikamenten, Vorerkrankungen etc. ebenfalls schriftlich gut vorbereitet haben. Denn nur gut informierte Patienten können den behandelnden Ärzten entsprechend eingehendere Fragen stellen, z. B. zu der für sie geeigneten Therapiemethode.

Im Laufe der Krebsbehandlung tritt eine Vielzahl von Fragen auf – neben den Fragen der insbesondere körperlichen Belastungen auch solche zu Kosten und Leistungsansprüchen. Die Bedeutung des Themas Kosten und Leistungen sollte auch in und gegenüber der Belastungssituation einer Krebserkrankung nicht unterschätzt werden. Um dies zu verdeutlichen, weise ich z. B. auf folgende Fragestellungen hin, die auf den Patienten typischerweise zukommen und über die er sich zu seinem Besten informieren sollte:

  • Wann steht mir ein Krankentransport/Taxi zum Behandlungsort zu und was ist bei der Beantragung und Abrechnung wichtig und zu beachten?
  • Werden die Kosten für eine Perücke bzw. für Mützen oder andere Kopfbedeckungen übernommen?
  • Unter welchen Voraussetzungen kann ich mich von den gesetzlichen Zuzahlungspflichten für Medikamente, Hilfsmittel und Fahrtkosten befreien lassen und ist dies zu jedem Zeitpunkt im Kalenderjahr sinnvoll?
  • Was sind Hilfsmittel, wer übernimmt die Kosten hierfür und wo bekomme ich diese?
  • Welche Möglichkeiten der Finanzierung meines täglichen Lebens habe ich, wenn die Krankenkasse das Krankengeld einstellt? Wann und unter welchen Voraussetzungen hat man Anspruch auf Krankengeld, Arbeitslosengeld, Übergangsgeld und was sind die Voraussetzungen hierfür?
  • Was ist der Unterschied zwischen einer Anschlussheilbehandlung und einer Rehabilitation? Wann und wie stelle ich einen entsprechenden Antrag?
  • Was habe ich bei der Beantragung der Feststellung einer Schwerbehinderung zu beachten, wie lange ist die Feststellung ggf. gültig bzw. wie wird sie verlängert?
  • Wie werden der Antrag auf Erwerbsminderungsrente richtig gestellt und Fallstricke vermieden?
  • Was ist bei ärztlichen Begutachtungen wichtig und zu beachten?

Diese Fragen zeigen, wie wichtig es ist, sich bei der Diagnose Krebs neben den Aspekten der ärztlichen Behandlung auch über die eigenen Rechte und Ansprüche zu informieren. Denn hier geht es auch um die finanzielle Existenz des Betroffenen und seine Möglichkeiten, die Krankheitsphasen während, aber auch nach der Behandlung zu erleichtern bzw. zu unterstützen, z. B. alleine schon durch eine attraktivere Perücke oder auch die Ersparnis von Fahrtkosten.

 

Müller
Ihre Rechte bei Diagnose Krebs
2017, 224 S., Walhalla Fachverlag, ISBN 978-3-8029-4086-6,
Preis 14,95 € inkl. MwSt.

 

Autorin: Helga Müller

Lammel-Mueller-sw

Ausgebildete Rechtsanwaltsgehilfin und spätere Schwerbehindertenvertretung. Sie sammelte aufgrund eigener schwerer Erkrankungen große Erfahrung und umfangreiche Kenntnisse bei der Durchsetzung von Ansprüchen. Durch die eigene Krebserkrankung hat sie sich selbst noch intensiver mit den rechtlichen Problemen rund um das Thema Krebs auseinandergesetzt.