Der private Immobilienkauf wird immer teurer

Das Steueraufkommen bei der Grunderwerbsteuer wächst seit Jahren überproportional. In vielen Bundesländern hat sich der Steuersatz ausgehend von 3,5 Prozent im Jahr 2006 nahezu verdoppelt. Die fiskalische Bedeutung der Grunderwerbsteuer zeigt sich exemplarisch u.a. in NRW. Dort hat sich das Steueraufkommen innerhalb weniger Jahre fast verdreifacht. So betrug das Aufkommen aus der Grunderwerbsteuer in 2010 ca. 1,1 Mrd. € und stieg dann in 2016 auf ca. 2,95 Mrd. €. Diese Entwicklung lässt sich im Wesentlichen auch auf andere Bundesländer übertragen und zeigt, dass die Grunderwerbsteuer mittlerweile mit Abstand die wichtigste Einnahmequelle für die Länderhaushalte geworden ist.

Zugleich wächst dadurch eine Gerechtigkeitslücke, welche die Politik auf den Plan gerufen hat. Denn die stetigen Erhöhungen bei der Grunderwerbsteuer haben dazu geführt, dass die Grunderwerbsteuer regelmäßig den größten Kostenfaktor unter den Kaufnebenkosten einnimmt. Entgegen dem Römerbrief Kapitel 13, Vers 7 geben jedoch nicht alle, was sie schuldig sind. So können häufig Gesellschaften ihre steuerliche Belastung relativ einfach durch sogenannte „Share Deals“ (Anteilsveräußerungen) umgehen. Verkürzt gesagt, wird nicht die Immobilie verkauft, sondern die Anteile an der Gesellschaft. Da die Gesellschaft weiter Eigentümerin der Immobilie bleibt, entsteht keine Grunderwerbsteuer. Ob die derzeit in der Politik viel diskutierten Modelle tatsächlich in die Tat umgesetzt werden, bleibt noch abzuwarten.

Private Immobilienkäufer ohne Grundkenntnisse der Grunderwerbsteuer sind in jedem Fall deutlich schlechter gestellt, zumal sich die Einschaltung eines steuerlichen Beraters aufgrund der hohen Beratungskosten häufig nicht lohnt. Hinzu kommt, dass durch die ansteigenden Immobilienpreise in mittelgroßen und großen Städten die Grunderwerbsteuer noch höher und der Immobilienkauf noch teurer wird. Nicht zuletzt wird es so für Familien immer schwieriger, Eigentum zu schaffen.

Da die Länder die Schuldenbremse ab dem Jahr 2020 einhalten müssen, ist auch nicht davon auszugehen, dass es in naher Zukunft zu einer Absenkung der Grunderwerbsteuersätze kommt.

Figatowski
Praxisratgeber Grunderwerbsteuer
2017, 168 S., Walhalla Fachverlag, ISBN 978-3-8029-4207-5,
Preis 14,95 € inkl. MwSt.

Autor: Martin Figatowski, LL.M. (Taxation)

Figatowski, Martin

Martin Figatowski, LL.M. (Taxation) ist Steuerjurist und als Referent in der Finanzverwaltung u. a. mit Fragen der Grunderwerbsteuer befasst.