Rezension: König. Münchener Kommentar zum Straßenverkehrsrecht. Bd. 1: Verkehrsstraf- und Verkehrsverwaltungsrecht

Jeder Mensch, wenn er nicht gerade bettlägerig ist, ist Verkehrsteilnehmer. Jeder kommt mit dem Verkehrsrecht in Berührung. Neben dem Miet-, dem Arbeits- und dem Familienrecht ist es daher das vierte Rechtsgebiet mit überragender praktischer und mithin wirtschaftlicher Bedeutung. Dessen wird sich auch der „Fachmarkt“ immer mehr bewusst. Ein Blick in die juristischen Zeitschriften zeigt, dass das Verkehrsrecht zunehmend in den Fokus rückt. Die Zahl der abgedruckten Entscheidungen aus diesem Bereich steigt ebenso wie jene der Besprechungen und Anmerkungen, und auch der „Absatz“ an Fachaufsätzen nimmt zu.

Münchener Kommentar zum Straßenverkehrsrecht: StVR Verkehrsstrafrecht, Verkehrsverwaltungsrecht
2016, XXXIX, 2093 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-66351-2,
Preis 299,00 € inkl. MwSt.

Da nimmt es nicht wunder, dass es im Bereich der Monografien und Kommentare nicht anders aussieht. Nomos’ „Gesamtes Verkehrsrecht“ erscheint demnächst in 2. Auflage, und auch der Beck-Verlag ist im Begriff, ein wahres Monument zu platzieren. Der 1. Band seines verkehrsrechtlichen Großkommentars ist erschienen. Nicht weniger als 28 Autoren aus allen relevanten Bereichen der Verkehrsrechtspraxis und -wissenschaft erläutern das Verkehrstraf- und Verwaltungsrecht. Viele Autoren sind ob ihres Renommees bekannt, manchen Verfasser kann man gut und gerne als Newcomer bezeichnen. 28 Autoren müssen, da kann man sicher sein, für den Verlag und den Herausgeber wie ein Sack Flöhe gewesen sein. Man ahnt, dass hier nicht nur die wissenschaftlichen Begabungen des Herausgebers Peter König gefragt waren, sondern auch die des Managers. Oder erforderte die Koordinierung von 28 erfahrenen, wissenschaftlich eigenlebigen Persönlichkeiten eher die Qualitäten eines Dompteurs?

Jedenfalls: Die Arbeit hat sich gelohnt! Kernstück des ambitionierten Werks sind mit 360 Seiten das StVG und mit knapp 600 Seiten die StVO. Daneben werden sachkundig kommentiert: die Fahrerlaubnis- sowie die Fahrzeug-Zulassungsverordnung, die StVZO, die verkehrsrelevanten Vorschriften von StGB und StPO, aber auch weitere Gesetze und Verordnungen, deren großer Bedeutung die pauschale Bezeichnung „Nebengesetze“ gewiss nicht immer gerecht wird. Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang Kretschmers Kommentierung zu § 6 PflVG. Die wichtige Strafvorschrift war bisher eine Kommentierungswüste. Dies ändert sich mit dem neuen „MüKo“. Der Rezensent hat selten Erläuterungen gelesen, die so sachkundig und zugleich meinungsstark sind und dabei eine derart fulminante Freude an der Sprache offenbaren, ein wirklicher Genuss. Solcher Kleinode finden sich in dem Auftaktwerk viele.

Was ist eine Rezension ohne eine kleine Dosis Kritik? Wenn es denn sein muss: Die „Ampelvorschrift“ § 37 StVO ist für die Verkehrsstraf- und Bußgeldrechtler sehr wichtig, auf die Norm geht so manches Fahrverbot zurück. Zwar erfährt der Leser im neuen „MüKo“ hier alles über die (Verzeihung: ministerielle Rechtschreibung) „Rad Fahrenden“, die „Radverkehrsführung“ und die „Radwegfurten“, den belangvollen Blick des Verteidigers in Bußgeldsachen, der ein Fahrverbot bekämpft, lässt die Kommentierung hingegen vermissen.

Aber diese Überlegungen sind, gemessen am Gesamtwerk, Peanuts. An der rundweg guten Beurteilung der neuen, klugen Publikation können sie nichts ändern.

Die Rezension wurde der NJW – Neue Juristische Wochenschrift 2016, Heft 48, entnommen.

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NJW • Neue Juristische Wochenschrift
2018, C.H.BECK, ISSN 0341-1915,
Preis 139,00 € inkl. MwSt.

Autor: Urban Sandherr

Richter am Kammergericht Urban Sandherr, Berlin