Rezension: Schaub. Arbeitsrechts-Handbuch

Der „Schaub“ (C.H.BECK), vielfach zu Recht als „Palandt des Arbeitsrechts“ bezeichnet (Borrmann, RD 1985, 177; Bauer, NJW, 1988, 1370; Hromadka, NZA 1988, 690), bedarf an sich keiner Empfehlung und Besprechung unter Arbeitsrechtlern mehr. Er ist dem Nutzer trotz in den letzten Jahren hinzu gekommener Konkurrenz ein vertrautes, zuverlässiges und bewährtes Nachschlagewerk, das man nicht missen möchte. Gerade die Älteren werden sich noch an die Zeit erinnern können, als „der Schaub“ geradezu ein Alleinstellungsmerkmal als Arbeitsrechtshandbuch hatte. Dieses Standardwerk hat sich seinen Ruf als unschätzbares Nachschlagewerk verdient erworben und ist – um es vorwegzunehmen – auch heute ein kaum zu überschätzendes Nachschlagewerk.

Schaub
Arbeitsrechts-Handbuch
2015, LXXIX, 3030 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-67349-8,
Preis 125,00 € inkl. MwSt.

Neu ist, dass jedem Bearbeitungskapitel eine Schnellübersicht vorangestellt ist, was die bessere Auffindbarkeit und damit die Arbeit mit dem Werk angesichts des gestiegenen Umfangs doch sehr erleichtert. Erstmals werden im Werk durchgehend Abkürzungen verwendet, die jedoch dem gängigen Sprachgebrauch eines Arbeitsrechtlers entsprechen und so das Werk in keinerlei Art und Weise beeinträchtigen (zB AG für Arbeitgeber, BR für Betriebsrat uÄ).

Die Autoren, zu denen neben den Bearbeitern Koch, Linck, Treber und Vogelsang auch die Richterin am BAG Martina Ahrendt und der Vorsitzende Richter am LAG Mecklenburg-Vorpommern Tilman Anuschek gehören, sind ausgewiesene kompetente Praktiker der Arbeitsgerichtsbarkeit. Dieses ist sinnvoll und zweckmäßig, da die Rechtsprechung des BAG die Grundlage in der Bearbeitung bildet.

Dies ist, wie in einer früheren Besprechung (Lenk, NZA 2009, 1404) festgestellt wurde, für den Praktiker von unschätzbarem Wert, der angesichts der kaum noch überschaubaren arbeitsrechtlichen Literatur schnell und präzise den maßgeblichen Standpunkt der Rechtsprechung herausfinden möchte, denn dem arbeitsrechtlichen Praktiker wird es in der Regel darum gehen, sich auf die einschlägige Rechtsprechung des BAG zu berufen. Für eine erfolgreiche Prozessvertretung ist und bleibt die Rechtsprechung des BAG maßgeblich, da die Fälle, die in der Weiterentwicklung und Änderung der Rechtsprechung überhaupt zugänglich sind, in der arbeitsrechtlichen Praxis doch eher rar gesät sind.

Die nunmehr 16. Auflage bringt weitere Neuerungen mit sich. Begrüßt wird von vielen Nutzern die Wiederherstellung des Gleichklangs zwischen dem „Schaubschen Arbeitsrechtshandbuch“ und der „Schaubschen Formularsammlung“, die gemeinsam – auch kostengünstig – in einem Schuber erscheinen. Dies ist keine eigene Feststellung des Besprechers, der zugleich einer der Mitautoren des „Schaubschen Arbeitsrechtsformularbuches“ ist, sondern wurde vielfach aus dem Kollegen- und Nutzerkreis berichtet. Dieser Gleichklang soll seitens des Verlages zukünftig in einem Zwei-Jahres-Rhythmus beibehalten werden.

Das Werk läuft nicht Gefahr, die Rechtsprechung des BAG kritiklos zu übernehmen; teilweise hätte man sich aber doch eine intensivere Diskussion oder weiterführende Literaturhinweise gewünscht, und zwar dort, wo die Rechtsprechung doch sehr intensiver und erheblicher Kritik der Literatur begegnet: Beispielsweise sei die Rechtsprechung zur sexuellen Belästigung und Interessenabwägung genannt. Insbesondere die sehr erhebliche und intensive Kritik an der Interessenabwägung des BAG wäre es zumindest wert gewesen, als Problem aufgeführt zu werden (§ 127 Rn. 42, 43 und 119).

Wegen des Umfangs kann an dieser Stelle sicherlich keine umfassende inhaltliche Auseinandersetzung mit dem hinlänglich bekannten Standardwerk erfolgen. Was man aber in jedem Fall bescheinigen kann ist die gewohnte qualitativ und quantitativ hervorragende Aufbereitung aktueller arbeitsrechtlicher Themen. Aufgenommen ist bereits das Tarifeinheitsgesetz (§ 203 Rn. 51 ff.). Gerade zu diesem Punkt finden sich – in Ermangelung einschlägiger Rechtsprechung des BAG – vielfältige weitere Literaturhinweise und eine dezidierte kritische Auseinandersetzung. Immer wieder unterschätzt wird die Schnittstelle des Arbeitsrechts zur gesetzlichen Rentenversicherung, gerade im Rahmen von Aufhebungsverträgen. Hier ist die Bearbeitung zu den Rentenarten der gesetzliche Rentenversicherung (§ 272 Rn. 24 ff.) ausgesprochen hilfreich. Was das Werk geradezu „unschlagbar“ macht, sind Kleinigkeiten, die für den arbeitsrechtlichen Praktiker unschätzbar sind: Beim Thema Betriebsübergang findet sich beispielsweise eine Rechtsprechungsübersicht, bei der die Rechtsprechung zum Betriebsübergang – nach Branchen unterteilt – aufgelistet wird (§ 117 Rn. 26). Diese Darstellung ist ausgesprochen hilfreich, da sie sich an Branchen und den dazu ergangenen Rechtsprechungen und nicht an den Tatbeständen orientiert.

Einmal mehr gilt, dass die Neuauflage des Werks in gewohnter Qualität und Quantität das hält, was man seit Jahrzehnten von ihm erwartet. Den „Schaub“ gab es schon, als ich anfing, mich mit dem Arbeitsrecht zu beschäftigen, es ist bis heute ein Werk geblieben, auf das ich gerne zurückgreife, um mir die tägliche Arbeit zu erleichtern. Beim „Schaub weiß man, was man hat“: qualitativ und quantitativ gute Bearbeitung, schwerpunktmäßig die Rechtsprechung des BAG und eine gute, übersichtliche Darstellung, die die Arbeit mit dem Werk zu einem Vergnügen macht. Der „Schaub“ gehört in jede Bibliothek eines Arbeitsrechtlers!

Die Rezension wurde der NJW – Neue Juristische Wochenschrift, 2016, Heft 38, entnommen.

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NJW • Neue Juristische Wochenschrift
2017, C.H.BECK, ISSN 0341-1915,
Preis 135,00 € inkl. MwSt.

Autor: Dr. Peter Schrader

Fachanwalt für Arbeitsrecht, Hannover

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