Rezension: Kochheim. Cybercrime und Strafrecht in der Informations- und Kommunikationstechnik: Cybercrime und Strafrecht in der IuK

Ein Buch aus der Praxis für die Praxis. Jede Zeile verdeutlicht, dass hier jemand schreibt, der die praktischen Probleme bei der Verfolgung von Cybercrime verinnerlicht hat, wie es beim Autor als ehemaligen Leiter der IuK-Stelle bei der Generalstaatsanwaltschaft Celle der Fall ist. Dabei wird nicht von den einzelnen Strafvorschriften ausgegangen, sondern das Werk (C.H.BECK) orientiert sich an der Phänomenologie des Cybercrime. Die Identifizierung der typischen Handlungsmuster ist die Grundlage der materiell-rechtlichen und verfahrensrechtlichen Bewertungen, welche anschaulich dargestellt werden. Diese Herangehensweise hat den Vorteil, dass damit der Zugang zu den bestimmte Verhaltensweisen Cyberkrimineller bewertenden Strafvorschriften und Ermittlungsinstrumenten erleichtert wird. Der Nachteil liegt darin, dass die juristische Einordnung von neu auftretenden und bisher in dem Werk noch nicht erfassten Phänomenen umso schwieriger ist.
Kochheim
Cybercrime und Strafrecht in der Informations- und Kommunikationstechnik: Cybercrime und Strafrecht in der IuK
2015, XIX, 691 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-67627-7,
Preis 89,00 € inkl. MwSt.

Das Buch ist in die drei Abschnitte Duale Welt, Materielles IuK-Strafrecht und Ermittlungen gegen das Cybercrime gegliedert. Der Autor stellt im ersten Abschnitt die Geschichte des Cybercrime und dessen Strafverfolgung, seine Formen und Methoden (Hacking, Phishing, Finanzagenten und Beutesicherung, Skimming, Malware, Identitätstäuschung und -diebstahl sowie Carding und Kontobetrug), die Gefahren, Cyber-Aktivisten und Subkulturen in der dualen Welt dar.

Der mit fast 330 Seiten umfangreichste zweite Teil befasst sich ausgehend von den phänomenologischen Grundlagen mit dem materiellen IuK-Strafrecht. Dabei werden solche Standardphänomene wie Hacking, Malware, Phishing und Skimming, aber auch missbräuchliches Verhalten bei einer Datenverwertung und beim Zahlungs- und Warenverkehr einer strafrechtlichen Bewertung zugeführt. Dem Autor gelingt die Verknüpfung nicht nur mit den typischen Delikten der IuK-Kriminalität, sondern auch mit klassischen Straftaten wie Betrug und Urkundenfälschung. Das solche Themenfelder wie der Urheberrechtsschutz allein mit gelegentlichen Verweisen sowie die Pornografie nur überblicksartig dargestellt werden, ist vor dem Hintergrund des ohnehin bereits auf mehr als 600 Seiten angeschwollenen Gesamtumfangs des Werks nachvollziehbar.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit bestimmten Ermittlungsinstrumenten gegen das Cybercrime, wobei nicht nur auf das Internet und die IuK-Technik als Informationsquellen, sondern auch auf personale Ermittlungen (wie Informanten und verdeckte Ermittler) und technische Maßnahmen (wie Online-Durchsuchung und Telekommunikationsüberwachung) eingegangen wird.

Entsprechend seinem selbstgestellten Anspruch geht es bei dem Werk nicht um die Bewertung neuer bisher durch die Rechtsprechung noch nicht entschiedener Konstellationen im Bereich des Cybercrime oder mögliche Reformüberlegungen, sondern um eine praxisnahe Darstellung. Deshalb stützt es sich fast ausschließlich auf die Rechtsprechung, wobei diese sehr ausführlich, teilweise sogar im Wortlaut dokumentiert wird. Das Buch ist instruktiv, umfassend und verlässlich. Das Verständnis für die Materie wird dabei nicht nur durch eine Vielzahl von Grafiken, sondern auch durch ein umfangreiches Glossar, eine Rechtsprechungsübersicht und ein Stichwortverzeichnis erleichtert. Das Werk ist damit eine wertvolle Arbeitshilfe für den praktisch auf dem Gebiet des Cybercrime tätigen oder tätig werdenden Juristen.

 

Die Rezension wurde der NJW – Neue Juristische Wochenschrift 2016, Heft 20, entnommen.

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NJW • Neue Juristische Wochenschrift
2017, C.H.BECK, ISSN 0341-1915,
Preis 135,00 € inkl. MwSt.

 

Autor: Dr. Kai Cornelius

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Aktuelle bzw. zuletzt ausgeübte Tätigkeit

Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Heidelberg

 

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