Rezension: Spickhoff. Medizinrecht

Das Medizinrecht gewinnt nach wie vor in rechtlicher und ökonomischer Hinsicht geradezu rasant an Bedeutung. Dabei handelt es sich nicht um ein fest gefügtes „Fach“; angesprochen sind vielmehr Materien aus allen drei Säulen des Rechts, also Zivil-, Straf- und öffentliches Recht einschließlich des Sozialrechts. Die umfassenden und teilweise nicht immer abgestimmten Maßnahmen der Normgeber der unterschiedlichen Ebenen von der Europäischen Union bis zu den Kommunen und die außerordentliche große Zahl der zu diesen Materien ergehenden Entscheidungen der Gerichte lassen sich nur schwer bündeln und verlässlich dokumentieren. Es ist daher eine unschätzbare Hilfe für die Klientel eines solchen Werks: Mediziner, Juristen und Verwalter im Bereich der Kliniken, Pharma-Unternehmen, Justiz, Krankenversicherungen, Gerichtsbarkeit, Ärztekammern, Rechtswissenschaft und nicht zuletzt Patienten. Angesprochen sind aber auch Studierende im gleichfalls immer wichtigeren Schwerpunktbereich Medizinrecht, aber auch Pflichtfachstudenten, die sich zuverlässig über die verfassungs-, verwaltungs-, straf- und sozialrechtlichen Aspekte der Medizin unterrichten wollen.
Spickhoff
Medizinrecht
2014, XXXVI, 3073 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-65753-5,
Preis 239,00 € inkl. MwSt.

Die Mehrheit der Nutzer wird anhand einer konkreten Fragestellung aus dem Bereich des Arzneimittelrechts, des Arztrechts, des Gendiagnostikgesetzes, der Krankenhausgesetze bis hin zum Strafgesetzbuch, Transsexuellengesetz und Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde auf eine konkrete Kommentierung zurückgreifen und dankbar die in der Praxis wichtigsten Informationen erhalten. Aber auch der an den Strukturen und Entwicklungen eines ganzen neuen „ressortübergreifenden“ Rechtsgebiets interessierte Leser wird mit Staunen und Bewunderung verfolgen, wie dieser Kommentar (Verlag C.H.BECK) unter dem Sammelbegriff Medizinrecht ein ganzes Rechtsgebiet strukturiert, in seinen inneren Zusammenhängen begreift und dabei überkommende Grenzen und Schranken überwindet.

Im Rahmen einer kurzen Besprechung würde es zu weit führen, auf die einzelnen Kommentierungen einzugehen. Durchweg lässt sich sagen, dass der Kommentar nicht nur zuverlässig Auskunft über die derzeitige Rechtslage gibt, sondern auch Hinweise für eine vertiefte Bearbeitung eröffnet. Wie bereits zur 1. Auflage angemerkt, sind die Ausführungen zu zentralen Normen des Grundgesetzes, beginnend mit der Menschenwürde (Art. 1 I 1 GG) über die weiteren betroffenen Grundrechte bis hin zur Kompetenzordnung und den verfassungsrechtlichen Grundlagen des Sozialrechts inhaltlich äußerst qualitätsvoll (MüllerTerpitz und Steiner), gleichwohl mit kaum mehr als 30 Seiten aber immer noch recht knapp. Erfreulich ist wiederum die Ausführlichkeit, mit der die die Grundrechte konkretisierenden Gesetze wie Gendiagnostikgesetz, Embryonenschutzgesetz, Bundesärzte- und Apothekengesetz dargestellt werden. Aktuelle Themen wie Sterilisation, Beschneidung, Zwangsbehandlung sind – teilweise ihrerseits als Querschnittsmaterien ausgestaltet – zeitnah aufgenommen. Auch das besonders dringende Thema „Chefarztvertrag“, einschließlich dessen problematischer Ausrichtung an ökonomischen Zielen, wird im arbeitsrechtlichen Teil fundiert behandelt. Für Praktiker ist besonders wichtig, dass sich auch verfahrensrechtliche Aspekte aus den verschiedenen Verwaltungsverfahren, dem Zivilprozess, dem Strafprozess und dem Verwaltungsprozess, finden. Der praktisch tätige Anwalt wird sich auch freuen, dass selbst das Wettbewerbsrecht angesprochen ist.

Kurz gefasst: Das von Spickhoff herausgegebene „Medizinrecht“ hat sich in kurzer Zeit seinen Platz als eines der maßgeblichen Werke dieses Rechtsgebiets erobert. Wer in diesen Bereichen tätig ist, findet mehr als nur einen Einstieg – was nicht heißt, dass nicht auch andere Kommentierungen, Handbücher und Monografien in Einzelfragen zu Rate gezogen werden sollten. Als „Grundausstattung“ des Medizinrechts und als Brücke zur Spezialliteratur ist das Werk jedenfalls unentbehrlich. Dass die Seitenzahl inzwischen die 3000 überschritten hat, scheint angesichts des Gebotenen ebenso verschmerzbar wie der doch sehr deutliche Preisanstieg im Vergleich zur 1. Auflage.

Weitere Inhalte zum Titel: Inhaltsverzeichnis, Leseprobe, Sachverzeichnis

 

Die Rezension wurde der NJW – Neue Juristische Wochenschrift 2015, Heft 22, entnommen.

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NJW • Neue Juristische Wochenschrift
2017, C.H.BECK, ISSN 0341-1915,
Preis 135,00 € inkl. MwSt.

Autor: Professor Dr. Friedhelm Hufen

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Aktuelle bzw. zuletzt ausgeübte Tätigkeit:

Leiter des Lehrstuhls Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

 

Tätigkeitsschwerpunkte:

Verfassungsrecht, Verwaltungsrecht, Kulturrecht, Medizinrecht, Lebensmittelrecht

 

E-Mail: hufen@uni-mainz.de

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