Rezension: Michow. Veranstaltungsrecht

Ausübende Künstler verdienen heute mit Konzerten und Unterhaltungsveranstaltungen zumeist mehr als aus den Verwertungsrechten ihrer Musik. Immerhin ist der Live Entertainment-Markt nach dem Buchhandel der umsatzstärkste Faktor der deutschen Entertainment-Märkte in Deutschland, wie die Autoren des besprochenen Buchs betonen. Damit kommt dem Veranstaltungsrecht eine große praktische und sehr eigenständige Bedeutung zu. Es ist Ziel des vorliegenden Werks (Verlag C.H.BECK), den vielfältigen Aspekten – Gesellschafts-, Verlags-, Steuer-, Versicherungs-, Urheberrecht – des Veranstaltungsrechts gerecht zu werden. Inhaltlich vereint der Band alle wesentlichen Themen des Veranstaltungsrechts. Die Verfasser benennen zunächst die relevanten Akteure im Markt und setzen sich mit den sie verbindenden Verträgen auseinander. Ausführlich klären die Autoren die komplizierten rechtlichen Fragen der Künstlervermittlung, des Managements und der Leistungsstörungen in angenehm klarem Deutsch, ebenso verständlich wie sachkundig.

Michow / Ulbricht
Veranstaltungsrecht
2013, XXXIII, 401 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-65191-5,
Preis 89,00 € inkl. MwSt.

Ab der Mitte des Buches (S. 150 ff.) widmen sich die Verfasser Einzelthemen des Veranstaltungsrechts wie dem Arbeits-, Wettbewerbs- oder Urheberrecht, wobei diese Kapitel eher lose aneinandergereihte, knappe, in sich geschlossene Abhandlungen sind. Das Kapitel über Sponsoring (S. 277–282) zeigt, dass es den Autoren weniger um die Diskussion interessanter kulturpolitischer Fragen geht als darum, praktische Lösungen auftretender Probleme anzubieten: Auf eine Diskussion der Gefahren des Sponsorings für die Kunstfreiheit – Eingriff des Sponsors in das künstlerische Programm – verzichten die Autoren. Der Nutzer dieses Buches findet stattdessen hervorragende Hilfestellungen für die Praxis. So tragen die Verfasser der enormen Bedeutung des Steuerrechts im Veranstaltungsbereich mit detaillierten Ausführungen Rechnung, die auch grenzüberschreitende Fallgestaltungen abdecken (S. 283–343). Die anschließende Auseinandersetzung mit der Künstlersozialabgabe (S. 343–361) belegt die Qualität des Werks: Die Autoren führen knapp und verständlich in die Thematik ein und erklären die Probleme dieses noch jungen Rechtsgebiets, etwa den Begriff „Künstlereigenschaft“ und das Wesen der Abgabepflicht, um sich dann klug gewählten Einzelfragen zuzuwenden. So wird zum Beispiel die in der Praxis viel diskutierte Problematik der Orchesterdirigenten anhand der Rechtsprechung des BSG aufgezeigt. Die Verfasser verharren jedoch nicht bei der Beschreibung des Problems, sondern geben hilfreiche Handlungsempfehlungen etwa zur gesellschaftsrechtlichen Gestaltung derartiger Verträge (S. 360–362). Am Ende des Werks finden sich schließlich nützliche Musterverträge, etwa Gastspiel-, Agentur- oder Managementverträge (S. 363–385).

Das Werk überzeugt wegen seiner klaren Sprache und der Gründlichkeit, mit der die Autoren die bearbeiteten Felder darstellen und es schaffen, die rechtlichen Probleme in selbst für Nichtjuristen verständlicher Form aufzubereiten. Bei der Einzelfallbearbeitung helfen die über 2000 weiterführenden Fundstellenhinweise. So eignet sich das Werk hervorragend für die praxisorientierte Arbeit und erfüllt die selbstauferlegte Aufgabenstellung mit Bravour. Diese erstmals vorgelegte Arbeit ist schon jetzt das Standardwerk zum Thema Veranstaltungsrecht.

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Die Rezension wurde der NJW – Neue Juristische Wochenschrift 2014, Heft 50, entnommen.

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NJW • Neue Juristische Wochenschrift
2017, C.H.BECK, ISSN 0341-1915,
Preis 135,00 € inkl. MwSt.

Autor: Professor Dr. Peter Raue

Rechtsanwalt, Berlin

 

Schwerpunkte

  • Kunstrecht
  • Urheberrecht
  • Presserecht
  • Verlagsrecht
  • Restitutionsrecht

 

Email: peter@raue.com

 

Website: www.raue.com