Rezension: Keidel. FamFG

Wer in der Rechtsprechung oder in den rechtsberatenden Berufen vor dem Inkrafttreten des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit tätig war, wusste, dass es in den so genannten FGG-Verfahren ohne den „Keidel“ nicht ging. Das hat sich nach der Reform – nun auch für die familiengerichtlichen Verfahren – nicht geändert. Die 18. Auflage des Kommentars (Verlag C.H.BECK) ist – das sei vorausgeschickt – anwenderfreundlich gestaltet, indem es bei einem handlichen Format bleibt und ein Rätselraten über die Bedeutung von Abkürzungen vermieden wird. Es macht allein schon aus diesem Grund Freude, mit dem Werk zu arbeiten. Ein gelungener Einstieg ist das Vorwort, welches alle wesentlichen gesetzlichen Änderungen, die in der Neuauflage Berücksichtigung gefunden haben, unter Nennung der Vorschriften auflistet und damit einen guten Überblick verschafft. Entstehung und Begrifflichkeiten des Gesetzes werden zudem in der Einleitung, die insbesondere den beruflichen Neueinsteigern in Familien-, Betreuungs- und Nachlassangelegenheiten anempfohlen werden kann, gut verständlich abgehandelt.

Keidel
FamFG
2014, L, 2861 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-65526-5,
Preis inkl. MwSt.

Auf eine sorgfältige Kommentierung, die die Rechtsprechung bis einschließlich September 2013 einbezieht, wird in allen Büchern des FamFG geachtet. Ein Schwerpunkt in der Bearbeitung liegt sicherlich im für die Praxis bedeutsamen Allgemeinen Teil (Buch 1), da vor die Klammer gezogen. So ist nicht nur die Unterscheidung zwischen Antrags- und Amtsverfahren sorgfältig herausgearbeitet, sondern auch die zwischen freier und förmlicher Beweiserhebung. Im Bereich der einstweiligen Anordnungen wird die Problematik der Zuständigkeiten zwischen erster und zweiter Instanz (§ 50 I 2) am Beispiel der Geltendmachung eines Kostenvorschussanspruchs für das Beschwerdeverfahren in Unterhaltssachen besprochen, wobei auf die nur vereinzelt in diesem Zusammenhang veröffentlichte Rechtsprechung hingewiesen wird. Hilfreich sind für die Praxis die ausführlichen Erörterungen zur Beschwerdeberechtigung (§ 59) und zur Beschwerdefrist (§ 63) bei „vergessenen“ Beteiligten. In die Kommentierung zu den §§ 76 ff. sind die seit dem 1.1.‌2014 geltenden Änderungen zum Prozesskostenhilferecht einbezogen.

Aus dem 2. Buch verdient die Darstellung der Zuständigkeiten, national wie international, in allen Familiensachen eine besondere Würdigung ebenso wie die Gegenüberstellung der durch die Vorschriften der ZPO ersetzten Normen über § 113 I 2. In Buch 3 und 4 – Betreuungs- und Nachlasssachen – verschafft die Kommentierung einen gut fundierten Überblick über die diesen Verfahrensgegenständen immanente Problematik, nämlich ihre „Vernachlässigung“ in der Ausbildung und der dafür umso größeren Bedeutung in der täglichen Arbeit; hilfreich sind die Formulierungshilfen zu Beschlussentwürfen (§§ 352, 353), wobei dies sinngemäß auch für die lehrreichen Ausführungen zur funktionalen Zuständigkeit in Buch 5 gilt (§ 377).

Der Kommentar ist – zusammengefasst – für die Praxis ein Gewinn.

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Die Rezension wurde der NJW – Neue Juristische Wochenschrift 2014, Heft 44, entnommen.

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NJW • Neue Juristische Wochenschrift
2017, C.H.BECK, ISSN 0341-1915,
Preis 135,00 € inkl. MwSt.

Autorin: Brigitte Meyer-Wehage

Wehage

Direktorin des Amtsgerichts, Brake

 

Vorsitzende der Kommission Zivil-, Familien- und Erbrecht, Recht anderer Lebensgemeinsschaften.

 

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